Primärbedarf, Sekundärbedarf und Tertiärbedarf einfach erklärt & IHK Prüfungen lösen

Inhaltsverzeichnis

📦 Die drei Bedarfsarten

Bevor ein Betrieb produziert oder einkauft, muss er wissen, was und wie viel er braucht. Dazu unterscheidet man drei Bedarfsarten:

Bedarfsart Was ist gemeint? Beispiele
1️⃣ Primärbedarf Enderzeugnisse, Ersatzteile, Handelswaren – abhängig von Kundenaufträgen fertiger Rasenmäher
2️⃣ Sekundärbedarf Komponenten für den Primärbedarf – über die Erzeugnisstruktur ermittelt Baugruppen, Einzelteile, Rohstoffe
3️⃣ Tertiärbedarf Hilfs- und Betriebsstoffe für Produktion/Beschaffung Schmierstoffe, Treibstoffe, Werkzeuge

🏬 Die Bestandsarten eines Lagers

Um den Bedarf zu berechnen, musst du die Bestände im Lager kennen. Ausgangspunkt ist der Effektive Lagerbestand (ELB) – die Menge, die tatsächlich im Lager liegt. Er setzt sich aus drei Teilen zusammen:

Bestandsart Bedeutung Beispiel (Öl)
Sicherheitsbestand Reserve gegen Lieferengpässe & Schwankungen – nicht verplant 10 Fässer
Reservierter Bestand schon für bestehende Aufträge verplant 20 Fässer
Verfügbarer Lagerbestand (VLB) steht sicher für die Produktion bereit 70 Fässer
= Effektiver Lagerbestand (ELB) tatsächlich im Lager vorhanden 100 Fässer

🧮 ELB = Sicherheitsbestand + reservierter Bestand + verfügbarer Lagerbestand
Umgestellt: VLB = 100 − 10 − 20 = 70 Fässer

🚚 Bestell- und disponierbarer Lagerbestand

Der Bestellbestand ist die bereits bestellte, aber noch nicht eingetroffene Menge. Zählt man ihn zum verfügbaren Lagerbestand, erhält man den disponierbaren Lagerbestand – also alles, womit du planen kannst.

🧮 Disponierbarer Lagerbestand = verfügbarer Lagerbestand + Bestellbestand
Beispiel: 70 + 40 = 110 Fässer

📐 Brutto- und Nettobedarf

In Prüfungen sollst du oft den Nettobedarf ermitteln – die Menge, die zusätzlich beschafft oder produziert werden muss. Nicht zu verwechseln mit dem Bruttobedarf, dem Gesamtbedarf eines Teils (je nach Teil gleich dem Primär- oder Sekundärbedarf). Dazwischen liegt der disponierbare Lagerbestand:

🧮 Nettobedarf = Bruttobedarf − disponierbarer Lagerbestand
⚠️ Der Nettobedarf kann nie kleiner als 0 sein.

🌳 Bedarf über die Erzeugnisstruktur ermitteln

Bei mehrstufigen Produkten arbeitest du dich durch den Strukturbaum – von oben (Endprodukt, Stufe 0) nach unten:

  • 📍 Stufe 0: Der Bruttobedarf des Endprodukts ist vorgegeben (z. B. 30 Rasenmäher). Nettobedarf = Brutto − Lagerbestand.
  • 📍 Untere Stufen – Bruttobedarf: Nettobedarf des Oberteils × benötigte Stückzahl. Braucht 1 Rasenmäher 3× Teil A, gilt für 30 Stück: 30 × 3 = 90× Teil A.
  • 📍 Untere Stufen – Nettobedarf: wieder Bruttobedarf − disponierbarer Lagerbestand (z. B. 120 − 30 = 90).

💡 Merksatz: Der Bruttobedarf eines Unterteils richtet sich immer nach dem Nettobedarf des übergeordneten Teils – nicht nach dessen Bruttobedarf.

🎯 Fazit

Mit diesen Bausteinen kannst du jede Bedarfsrechnung lösen: Du ordnest den Bedarf in Primär-, Sekundär- und Tertiärbedarf ein, bestimmst über die Bestandsarten den disponierbaren Lagerbestand und ermittelst damit Stufe für Stufe den Netto­bedarf. Wichtig bleibt die Faustregel: Brutto − disponierbarer Lagerbestand = Netto, und der Nettobedarf wird nie negativ.

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AW

Antonia Wenzel

Ausbilderin, Raben Trans