Arbeitet euer Lager wirtschaftlich oder liegt dort zu viel Geld herum? Das verraten dir die Lagerkennzahlen. In dieser Lektion lernst du den durchschnittlichen Lagerbestand, die Umschlagshäufigkeit, die durchschnittliche Lagerdauer und den Lagerzinssatz kennen, rechnest eine typische Prüfungsaufgabe durch und erfährst, wie du eine Lagerbestandskurve richtig interpretierst.
📦 Durchschnittlicher Lagerbestand
Der durchschnittliche Lagerbestand gibt an, wie viel Ware sich in einem bestimmten Zeitraum durchschnittlich im Lager befindet. Welche Formel du nimmst, hängt von den gegebenen Daten ab:
| Gegebene Daten | Formel |
|---|---|
| Anfangs- und Endbestand | (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2 |
| Anfangsbestand und 12 Monatsendbestände | (Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13 |
| Anfangsbestand und 4 Quartalsendbestände | (Anfangsbestand + 4 Quartalsendbestände) ÷ 5 |
👉 Beispiel: Anfangsbestand 30.000 €, Quartalsendbestände 20.000 €, 40.000 €, 25.000 € und 35.000 €. Ø Lagerbestand = (30.000 + 20.000 + 40.000 + 25.000 + 35.000) ÷ 5 = 150.000 ÷ 5 = 30.000 €.
💡 Prüfungstipp: Zähle immer die Werte: Anfangsbestand plus alle Endbestände. Bei Monatswerten sind es 13, bei Quartalswerten 5 Werte.
🔁 Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer
Die Umschlagshäufigkeit gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand innerhalb eines Zeitraums verbraucht oder verkauft wird.
🧮 Umschlagshäufigkeit = Lagerabgang ÷ durchschnittlicher Lagerbestand
Der Lagerabgang ist der Materialverbrauch (z. B. Rohstoffeinsatz) bzw. der Wareneinsatz der verkauften Waren. Die Umschlagshäufigkeit steigt, wenn der Lagerabgang steigt oder der durchschnittliche Lagerbestand sinkt.
⚠️ Vergleiche die Umschlagshäufigkeit nur mit Unternehmen derselben Branche. Ein Lebensmittelhändler hat naturgemäß einen viel höheren Umschlag als ein Möbelhaus.
Die durchschnittliche Lagerdauer zeigt, wie viele Tage die Ware im Durchschnitt im Lager bleibt.
🧮 Durchschnittliche Lagerdauer = 360 Tage ÷ Umschlagshäufigkeit
💶 Lagerzinssatz
Der Lagerzinssatz gibt an, wie viel Prozent Zinsen auf das im durchschnittlichen Lagerbestand gebundene Kapital anfallen. Er bezieht den Jahreszinssatz auf die tatsächliche Lagerdauer.
🧮 Lagerzinssatz = Jahreszinssatz × durchschnittliche Lagerdauer ÷ 360 Tage
Zusammenhänge der Kennzahlen
| Wenn die Umschlagshäufigkeit steigt … | Folge |
|---|---|
| Durchschnittlicher Lagerbestand | sinkt |
| Durchschnittliche Lagerdauer | sinkt |
| Lagerzinssatz | sinkt |
| Kapitalbedarf und Lagerkosten | sinken |
| Wirtschaftlichkeit des Lagers | steigt |
🔑 Merke: Eine längere Lagerdauer führt zu einem höheren Lagerzinssatz. Eine höhere Umschlagshäufigkeit macht das Lager wirtschaftlicher.
✏️ Beispielaufgabe
Anfangsbestand am 01.01.: 20.000 €, Endbestand am 31.12.: 60.000 €, Rohstoffeinsatz: 200.000 €, Marktzinssatz: 5 %. Berechne die Lagerkennzahlen.
- Ø Lagerbestand: (20.000 € + 60.000 €) ÷ 2 = 40.000 €
- Umschlagshäufigkeit: 200.000 € ÷ 40.000 € = 5
- Ø Lagerdauer: 360 Tage ÷ 5 = 72 Tage
- Lagerzinssatz: 5 % × 72 Tage ÷ 360 Tage = 1 %
Das heißt: Der Lagerbestand wird fünfmal im Jahr umgeschlagen, die Ware liegt im Schnitt 72 Tage im Lager, und auf das gebundene Kapital fallen 1 % Zinsen an. Das sind 40.000 € × 1 % = 400 € Lagerzinsen.
💡 Prüfungstipp: Rechne die Kennzahlen in genau dieser Reihenfolge. Jedes Ergebnis brauchst du für den nächsten Schritt.
📉 Lagerbestandskurve interpretieren
In der Prüfung bekommst du oft eine zackenförmige Lagerbestandskurve: Die x-Achse zeigt die Zeit, die y-Achse den Lagerbestand. Eingezeichnet sind meist Sicherheitsbestand, Meldebestand und Höchstbestand.
| Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|
| Sicherheitsbestand unterschritten | Bei Beschaffungsproblemen droht Produktionsstillstand |
| Kurve fällt besonders steil | Der Verbrauch war in diesem Zeitraum höher als üblich |
| Höchstbestand überschritten | Mehr Ware als Lagerplatz, Zusatzkosten z. B. für ein Fremdlager |
| Auffüllung weit vor dem Sicherheitsbestand | Zu früh bestellt, Einsparpotenzial verschenkt |
🧪 Typische Prüfungsfragen
- Wie berechnest du den durchschnittlichen Lagerbestand bei Monats- oder Quartalswerten?
- Was sagt die Umschlagshäufigkeit aus und wie berechnest du sie?
- Wie hängen Umschlagshäufigkeit, Lagerdauer und Lagerzinssatz zusammen?
- Berechne die durchschnittliche Lagerdauer bei einer Umschlagshäufigkeit von 5.
- Welche Folgen hat das Unterschreiten des Sicherheitsbestandes?
- Was bedeutet das Überschreiten des Höchstbestandes?
🎯 Fazit
Mit Lagerkennzahlen beurteilst du die Wirtschaftlichkeit eines Lagers. Aus dem durchschnittlichen Lagerbestand und dem Lagerabgang ergibt sich die Umschlagshäufigkeit, daraus die durchschnittliche Lagerdauer (360 ÷ Umschlagshäufigkeit) und daraus der Lagerzinssatz. Je höher die Umschlagshäufigkeit, desto kürzer die Lagerdauer, desto geringer Kapitalbindung und Lagerkosten. Bei der Lagerbestandskurve achtest du auf Unterschreitungen des Sicherheitsbestands und Überschreitungen des Höchstbestands.