Inventur und Inventar einfach erklärt | Unterschied, Arten & Beispiele

Inhaltsverzeichnis

Was hat ein Kaufmann, der einmal im Jahr sein komplettes Lager zählt, mit dem Rechnungswesen zu tun? Eine Menge – denn so entsteht das Inventar. In dieser Lektion lernst du den Unterschied zwischen Inventur und Inventar, die verschiedenen Inventurarten und wie aus dem Inventar später die Bilanz wird.

📋 Inventar und Inventur – die Grundbegriffe

Nach § 240 HGB muss ein Kaufmann sein Vermögen und seine Schulden nach Art, Menge und Wert verzeichnen – und zwar zu Beginn und zu Ende seiner Tätigkeit, bei Übernahme eines Unternehmens und zum Ende jedes Geschäftsjahres.

  • 📝 Inventur = der Vorgang der Bestandsaufnahme und -bewertung.
  • 📑 Inventar = das Ergebnis der Inventur (die fertige Übersicht).

💡 Merksatz: Die Inventur ist nötig, um zum Inventar zu gelangen – das Inventar ist das Ergebnis der Inventur.

🔨 Beispiel: Inventar im Baumarkt

Du nimmst zum Geschäftsjahresende alle Lagerbestände auf und bewertest sie. Das Inventar könnte so aussehen:

Position Menge Einzelwert Gesamtwert
Schrauben 10.000 2 ct 200 €
Zangen 500 8 € 4.000 €
Hämmer 800 10 € 8.000 €
Schaufeln 50 50 € 2.500 €
Summe (Waren) 14.700 €

🔍 Inventurarten: körperlich vs. Buch

Art Wie? Beispiele
✋ Körperliche Inventur Zählen, Messen oder Wiegen Zangen zählen, Schrauben wiegen, Holz messen
📒 Buchinventur über Belege & buchhalterische Aufzeichnungen (wenn Zählen technisch unmöglich ist) Forderungen, Verbindlichkeiten, Kredite, Bankguthaben

👉 Beispiele: 2 kg Schrauben à 100 €/kg = 200 € (wiegen) · 50 m Holz à 3 €/m = 150 € (messen).

📅 Permanente vs. Stichtagsinventur

Art Wann?
🔄 Permanente Inventur laufend übers ganze Jahr (per Software) – vermeidet einen unwirtschaftlichen Betriebsstopp am Stichtag
📌 Stichtagsinventur einmal je Geschäftsjahr, im Zeitraum 10 Tage vor bis 10 Tage nach dem Bilanzstichtag

👉 Das Geschäftsjahr muss nicht dem Kalenderjahr entsprechen – es könnte z. B. vom 1. Juni bis 31. Mai laufen.

🗂️ Der Aufbau des Inventars

Im Inventar werden alle Positionen in Staffelform zusammengefasst – nach festen Ordnungsregeln:

  • 🏢 Vermögen: absteigend nach Liquidität. Oben das schwer zu Geld zu machende (Grundstücke, Gebäude, Maschinen), unten Kassen- und Bankguthaben.
  • 💳 Schulden: aufsteigend nach Fälligkeit. Oben langfristige Verbindlichkeiten (Immobilienkredit), unten kurzfristige (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen).

🧮 Eigenkapital = Vermögen − Schulden
Positiv = Vermögen größer als Schulden (so soll es sein). Negativ = das Unternehmen ist bilanziell überschuldet.

⚖️ Vom Inventar zur Bilanz

Das Inventar wird schnell lang und unübersichtlich. Die Bilanz stellt Vermögen und Kapital deshalb übersichtlich in Kontenform dar. Kapital ist dabei die Summe aus Eigen- und Fremdkapital. Gleichartige Positionen werden zu einheitlichen Bilanzposten zusammengefasst – Schrauben, Zangen, Hämmer und Schaufeln stehen z. B. zusammen unter dem Posten Waren (14.700 €).

🎯 Fazit

Merke dir die Kette: Die Inventur ist die Bestandsaufnahme und -bewertung, das Inventar ihr Ergebnis, und die Bilanz die übersichtliche Zusammenfassung von Vermögen und Kapital in Kontenform. Wichtig sind außerdem die Inventurarten (körperlich/Buch, permanent/Stichtag) und die Formel Vermögen − Schulden = Eigenkapital. Das Thema ist ein echter Prüfungsklassiker.

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