Lohnt es sich, für eine Schraube im Wert von 10 Cent genauso viele Angebote einzuholen wie für einen Motor für 110 €? Natürlich nicht. Genau hier hilft die ABC-Analyse: Sie zeigt dir, welche Güter wirtschaftlich wichtig sind und wo sich ein hoher Aufwand in Einkauf und Lager wirklich lohnt. In dieser Lektion lernst du, was A-, B- und C-Güter sind, wie du eine ABC-Analyse Schritt für Schritt mit einer Tabelle durchführst und welche Maßnahmen du daraus ableitest.
📊 Was ist die ABC-Analyse?
Die ABC-Analyse ist ein Instrument der Materialwirtschaft. Sie teilt Güter nach ihrem Anteil am Gesamtwert des Jahresverbrauchs in drei Klassen ein. Der Grundgedanke: Wenige Güter machen einen großen Teil des Wertes aus, viele Güter nur einen kleinen.
Das Ziel ist, die knappen Ressourcen im Einkauf dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen bringen. Bei teuren Gütern spart schon ein kleiner Preisvorteil viel Geld, bei billigen Kleinteilen kostet eine aufwendige Beschaffung oft mehr, als sie einbringt.
🔑 Merke: Entscheidend ist der Wertanteil, nicht der Stückpreis allein. Ein günstiger Artikel kann ein A-Gut sein, wenn er in sehr großen Mengen verbraucht wird.
🅰️ A-, B- und C-Güter im Überblick
| Klasse | Mengenanteil | Wertanteil (Richtwert) | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| A-Güter | gering | hoch (ca. 70 bis 80 %) | wirtschaftlich sehr wichtig |
| B-Güter | mittel | mittel (ca. 15 bis 20 %) | mittlere Bedeutung |
| C-Güter | hoch | gering (ca. 5 bis 10 %) | geringe Bedeutung |
Die Prozentwerte sind nur Richtwerte. In der Prüfung bekommst du die Klassengrenzen in der Regel vorgegeben, meist über den kumulierten Wertanteil.
🧮 Vorgehen in fünf Schritten
- Jahresverbrauchswert berechnen: Jahresbedarf × Einstandspreis je Artikel.
- Sortieren: Artikel nach dem Jahresverbrauchswert absteigend ordnen.
- Wertanteil berechnen: Jahresverbrauchswert des Artikels ÷ Gesamtverbrauchswert × 100.
- Kumulieren: Die Wertanteile von oben nach unten aufaddieren.
- Klassen zuordnen: Mit den vorgegebenen Klassengrenzen jedem Artikel A, B oder C zuweisen.
🧮 Formeln
Jahresverbrauchswert = Jahresbedarf × Einstandspreis
Wertanteil in % = Jahresverbrauchswert ÷ Gesamtverbrauchswert × 100
💡 Prüfungstipp: Das Kumulieren ist der Schritt, der am häufigsten vergessen wird. Nur mit den kumulierten Werten kannst du die Klassengrenzen sauber anwenden, denn sie beziehen sich auf die Summe der wichtigsten Artikel.
✏️ Beispielaufgabe
Ein Industriebetrieb hat acht Artikel. Die Klassengrenzen lauten: A bis 75 %, B über 75 % bis 95 %, C über 95 % des kumulierten Wertanteils. Die Artikel sind bereits nach dem Jahresverbrauchswert sortiert. Der Gesamtverbrauchswert beträgt 100.000 €.
| Artikel | Jahresbedarf (Stück) | Einstandspreis | Jahresverbrauchswert | Wertanteil | kumuliert | Klasse |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Motor | 400 | 110,00 € | 44.000 € | 44 % | 44 % | A |
| Getriebe | 150 | 200,00 € | 30.000 € | 30 % | 74 % | A |
| Welle | 800 | 12,50 € | 10.000 € | 10 % | 84 % | B |
| Lager | 1.200 | 5,00 € | 6.000 € | 6 % | 90 % | B |
| Dichtung | 5.000 | 0,80 € | 4.000 € | 4 % | 94 % | B |
| Kabel | 2.500 | 1,20 € | 3.000 € | 3 % | 97 % | C |
| Schraube | 20.000 | 0,10 € | 2.000 € | 2 % | 99 % | C |
| Mutter | 25.000 | 0,04 € | 1.000 € | 1 % | 100 % | C |
Auswertung nach Mengen (Gesamtmenge 55.050 Stück):
- A-Güter: 550 Stück, also rund 1,0 % der Menge, aber 74 % des Wertes.
- B-Güter: 7.000 Stück, rund 12,7 % der Menge und 20 % des Wertes.
- C-Güter: 47.500 Stück, rund 86,3 % der Menge, aber nur 6 % des Wertes.
👉 Beispiel: Die Mutter wird mit 25.000 Stück am häufigsten verbraucht, ist wertmäßig aber das unwichtigste Gut. Der Motor macht mit nur 400 Stück fast die Hälfte des gesamten Verbrauchswertes aus.
🛠️ Maßnahmen für Einkauf und Lager
Die Einteilung ist kein Selbstzweck. In der Prüfung musst du sie begründen und Maßnahmen ableiten können.
| Klasse | Sinnvolle Maßnahmen |
|---|---|
| A-Güter | genaue Bedarfsplanung, intensive Marktforschung und Angebotsvergleiche, harte Preisverhandlungen, niedrige Lagerbestände und geringe Sicherheitsbestände, fertigungssynchrone Beschaffung (Just in Time) prüfen, häufige Bestandskontrollen |
| B-Güter | normaler Aufwand, Mittelweg zwischen A und C, regelmäßige Überprüfung |
| C-Güter | möglichst geringer Beschaffungsaufwand, Sammelbestellungen, größere Bestellmengen, vereinfachte Bestellabwicklung, höhere Sicherheitsbestände vertretbar |
🔑 Merke: Bei A-Gütern ist viel Kapital gebunden, deshalb lohnt sich jeder Aufwand, der Kosten und Bestände senkt. Bei C-Gütern wären die Bestellkosten einer aufwendigen Beschaffung oft höher als die mögliche Ersparnis.
⚠️ Die ABC-Analyse sagt nichts über die technische Wichtigkeit eines Teils aus. Eine billige Dichtung (C-Gut) kann die ganze Produktion stoppen, wenn sie fehlt. Auch C-Güter brauchen also eine sichere Versorgung.
🧪 Typische Prüfungsfragen
- Wie werden A-, B- und C-Güter unterschieden?
- Wie berechnest du den Jahresverbrauchswert eines Artikels?
- Warum müssen die Wertanteile kumuliert werden?
- Welche Maßnahmen sind für A-Güter sinnvoll?
- Warum sollten C-Güter mit geringem Aufwand beschafft werden?
- Ordne die Artikel einer Tabelle mithilfe vorgegebener Klassengrenzen den Klassen A, B und C zu.
🎯 Fazit
Die ABC-Analyse teilt Güter nach ihrem Wertanteil am Jahresverbrauch ein. Du berechnest den Jahresverbrauchswert (Jahresbedarf × Einstandspreis), sortierst absteigend, ermittelst die Wertanteile, kumulierst sie und ordnest mit den Klassengrenzen zu. A-Güter haben wenig Menge, aber hohen Wert und verdienen intensive Beschaffung. C-Güter haben viel Menge, aber wenig Wert und werden möglichst einfach beschafft.